Traditionelle Basteleien

Jan 142015

Traditionelle Basteleien

 1. So baut man eine “Dohne” für den Krammetsvogelfang

2. So baut man einen “Flipps”

3. So baut man eine “Fleitepiepen”

4. So baut man eine “Maipiepen”

5. So baut man eine “Knallebüchse”

6. Wäp-Wäp

 

 

 

1. So baut man eine Dohne – Der Krammetsvogelfang
Als Kind habe ich beim Herumstöbern auf dem Dachboden ein großes Bündel morscher und wurmstichiger „Holzbögen“ gefunden.
Interessiert schleppte ich das von Holzmehl staubende Bündel bei meinem Vater an.
Er erklärte mir, dass es sich dabei um so genannte Dohnen handelte, mit denen er in der so genannten “verrückten Zeit“ , in der Zeit des Tauschhandels nach dem Krieg also, „Krammetsvögel“ gefangen hatte.
Mit einem „Sack voll“ Krammetsvögel hatte er in Cloppenburg auf dem Amt bzw. nach Dienstschluss sein Motorrad wieder „frei“ bekommen.-

Weil ich nun schon mal Interesse gezeigt hatte und für den Fall, dass „mal wieder schlechte Zeiten kommen“ zeigte er mir, wie man so eine Dohne herstellt.
Man nimmt dazu einen dünnen Ast vom Haselstrauch, besser noch einen Weidenast . Zur Not ist auch ein Tannenzweig geeignet.

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   A                                                                                           B
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Der Ast wir sorgfältig gebogen und mit einer Kerbe an beiden Seiten angespitzt.
Die Spitzte am dünneren Ende wird in einen kleinen Spalt, den man mit einem scharfen Kartoffelmesser herstellt, in den Bogen hineingesteckt. In zwei seitlichen Spalten werden dann zwei Schlingen aus Pferdehaar eingeklemmt und mit einem einfachen Knoten gegen Herausziehen gesichert.
In einem weiteren Spalt wird dann unten ein Büschel Vogelbeeren eingeklemmt.
Das andere Ende wird dann draußen auf die gleiche Weise an einem Ast oder an einer Hecke befestigt.-
Krammetsvogel nannte man früher die Wacholderdrossel, die, früher als reiner Zugvogel, nur Wintergast bei uns war und aus dem kalten Norden oder Nordosten kommend, sich zu Tausenden im Spätherbst auf den Weg in den Süden machte.
Die Wachholderdrossel hat etwa die Größe einer Amsel.
Heute hat die Wacholderdrossel ihr Verbreitungsgebiet weiter nach Süden und Westen ausgedehnt, so dass sie jetzt bei uns auch im Sommer anzutreffen ist.
Im Herbst sammeln sie sich aber wie zu alten Zeiten z.B. in den Rehen , am Langen Moor und am Lahe-Ableiter (siehe Foto).

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Die Wacholderdrossel hält sich mit Vorliebe auf Wiesen und Weiden an Waldrändern , Bäumen, Büschen und Hecken auf und ernährt sich im Herbst und Winter vor allem von Beeren und Obst.
Das Fangen von Krammetsvögeln war auch schon früher nur mit besonderer Lizenz erlaubt; in Südoldenburg aber weit verbreitet.
Heute ist die „Jagd“ mit der Schlinge streng verboten.

Theo Rohjans

 

 

2. So baut man einen Flipps
Als Kinder hatten wir in den Ferien immer einen „Flipps“ bzw. „Flitsche“ dabei. Man schnitt sich eine geeignete Zwille (1) befestigte mit dünnem Draht (2) zwei Gummiringe (3) stramm an die Vorkerbungen und an die abgeschnittene „Zunge“ ((4)) von einem ausrangierten Schuh. Fertig (5)!

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Als „Munition“ sind am besten glatte, möglichst runde Kieselsteine geeignet.
Mit einiger Übung trifft man auf zehn Meter beim zweiten oder dritten Schuss eine Blechdose oder (viel schöner!) eine Flasche.
Theo Rohjans

 

3. So bastelt man eine Fleitepiepen
Eine Hirtenpfeife oder „Fleitepiepen“, wie sie bei uns hieß, stellt man im Frühjahr her, wenn in den Baumtrieben der Saft
steigt. Besonders gut sind etwa fingerdicke Triebe vom Weidenbaum oder Haselstrauch aber auch von vielen anderen Bäumen und Sträuchern geeignet.
Man schneidet ein etwa 10 cm langes Stück ab, schneidet an einer Stelle eine Rille rund um das Holz durch Bast und Borke (1) und klopft mit dem Messergriff so lange af das
längere Ende, bis sich die Borke wie eine Zigarettenhülse (2) abziehen lässt.
Man schneidet dann von dem frei gelegtem Holz ein ca. 1 cm langes Mundstück ab (3),von dem man eine Kerbe als Luftdurchlass abtrennt (4).
Nachdem man das Mundstück wieder eingeschoben hat, schneidet man gleich hinter diesem Mundstück einen kleinen
Ausschnitt als Luftauslass (5) in die Hülse. Zusammenschieben und fertig ist die„Fleitepiepen“.

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Wie man sieht, ist die Herstellung dieser Hirtenpfeife, die leider völlig in Vergessenheit geraten ist, sehr einfach. Mein Vater hat uns die Herstellung schon als Kind beigebracht.
Durch Herausziehen und Einschieben des Holzes lässt sich der Resonanzraum stufenlos variieren. Man kann so Vogelstimmen imitieren und sogar kleine Melodien darauf spielen.

Theo Rohjans

 

 

            

4. Maipiepen statt Fleitepiepen

 

Als späte Reaktion auf die Anleitung zur Herstellung

einer Fleitepiepen (Ausgabe 2006, Heft 18) habe ich eine sogenannte „Maipiepen“ erhalten.

Die Maipiepen ist die im Ammerland gebräuchliche einfachere Form der Fleitepiepen. Während bei der Fleitepiepen, wie man sie bei uns kennt, der Hohlraum         veränderlich ist, bleibt bei der Maipiepen das Mundstück mit dem Holz verbunden. Deshalb lässt sich auf der Maipiepen nur ein einziger Ton erzeugen.

Die Herstellung ähnelt der Herstellung der Fleitepiepen:

 

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Im Frühjahr wird ein Stück von einem Ast abgeschnitten.

Das Stück sollte etwa 1,5-2,0 cm Durchmesser haben. Am besten sind dafür Haselnuss oder Eberesche, aber auch andere safttreibende Busch- oder Baumarten geeignet.

In etwa 6-10 cm Abstand von der Schnittstelle wird nun die Rinde mit einem scharfen Messer abgetrennt. Auf dieses Stück wird dann solange mit dem Messergriff geklopft, bis es sich als Hülse abziehen oder abdrehen lässt (siehe Abb. A).

In die Hülse wird eine Luftöffnung geschnitten.

Aus dem freigelegten frischen Holz wird eine Kerbe herausgeschnitten bzw. herausgeschnitzt. Als letztes wird die Hülse wieder aufgeschoben (B).

Fertig ist die Maipiepen!

 

Theo Rohjans

 

5. Knallebüchsen selbstgebaut

Als Kinder hatten wir sogenannte „Knallebüchsen“, mit denen wir mit lautem Knall Eicheln verschießen konnten.
Das ging natürlich nur solange gut, bis irgendwann das gute Stück kaputt gebrochen war.
Da es sich bei meiner Knallebüchsen um ein „Erbstück“ handelte, fragte ich meinen Vater, woher denn die alte Knallebüchse stammte.
Mein Vater erzählte mir, dass die Büchsen „zu seiner Zeit“ von Tischlern hergestellt und teilweise kunstvoll gedrechselt wurden. Da aber in den sechziger Jahren kein Tischler mehr Zeit für „so was“ hatte, war es aus mit der schönen Knallerei.
Man könne sich aber auch aus Ästen von Holunderbeersträuchern selbst eine Knallebüchse herstellen. Nach ein, zwei fruchtlosen Versuchen hatte ich damals aufgegeben.

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Im letzten Jahr fiel mir die alte Knallebüchse und damit die Geschichte wieder ein.
Ich musste aber feststellen, dass das Holz viel zu nass und weich war.
Als ich mir jetzt die Holzstücke nochmal ansah, war das Holz hart, trocken und gut zu bearbeiten.
Also habe ich einen neuen Versuch gestartet.
Das „Rohr“ hat eine Länge von cirka 21 cm und der „Griff“ etwa 10 cm.
Das Mark aus dem Holunderast kann man am einfachsten mit einem 5 mm Hand-Rundbohrer entfernen; aber ein heißer Draht wird es auch tun.
Die so vorhandene Führung habe ich dann mit einem 12 mm Holzbohrer (mit Spitze) nachgebohrt.
Als Stange habe ich eine 10 mm Holzdübelstange in einer Länge von 22 cm zugeschnitten.
Die Stange wird cirka 3 cm in den entsprechend vorgebohrten Griff eingeschoben und einfach festgeklopft.
Die geriffelte Stange wird dann noch mit Schmirgelpapier geglättet.
Zum Verschießen verwendet man Eichelhäften.
Eichel einmal durchgestopft, Spucke nicht vergessen und los geht die Knallerein.
Die Knallebüchse steht dem gedrechselten Exemplar an Lautstärke und Schussweite in nichts nach!

Theo Rohjans

 

5. Wäpelraut

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Theo Rohjans

Zur Abwechselung habe ich hier Aufkleber aus der Kleintierzucht (Enten) verwendet.

Bei der Kunst des Tunscheren-Krüllens fehlt es leider noch an dem richtigen “Dreh”. Seit einiger Zeit wird aber in Löningen-Augustenfeld Unterricht im Fertigen von Tunscheren angeboten.

Ähnlich wie Tunscheren werden auch Palmstöcke “gekrüllt”. Hier verwendetes Material: Haselnuss.

 

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Vier neue “Wäpelrauts” aus dem Jahre 2017.

Hergestellt wieder aus Haselnuss mit einem scharfen “Löwenmesser”. Trockenzeit der unbehandelten Äste: 1 Woche.

Theo Rohjans

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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